Was erleben Sie im Dialog im Stillen?

Erleben Sie eine „andere, stille Welt“. Auf dieser Reise durch die Stille gewinnen Sie einen Einblick in die faszinierende Gehörlosenkultur.

Gehörlose Guides führen Sie durch einen Parcours mit sehr lebendiger Kommunikation. In unserer 2014 etablierten Erlebnisausstellung Dialog im Stillen® findet ebenfalls ein Rollentausch statt. Mit schalldichten Kopfhörern ausgestattet erleben Sie die Welt der nonverbalen Kommunikation. Üben Sie sich mit unseren Experten in Körper- und Gebärdensprache. Lassen Sie Ihre Hände tanzen und ihr Gesicht sprechen.

Entdecken Sie die Schönheit der nonverbalen Verständigung.

Lernen Sie mit den Händen zu sprechen und mit den Augen zu hören. Durch das Eintauchen in diese neue Welt, werden Berührungsängste abgebaut. Misskonzeptionen werden aufgeklärt und ein Kontakt zwischen der Welt der Hörenden und der Welt der Gehörlosen hergestellt. Jeder hat die Möglichkeit, Ängste im Umgang mit gehörlosen Menschen abzubauen und mutiger, toleranter und offener zu werden.

Ihre Gastgeber und Guides meinen: ein Besuch im Stillen ist ein „Muss“.

Weil man eigene Berührungsängste abbauen kann. Weil ein Perspektivwechsel entsteht und es ein tolles Erlebnis für alle Besucher ist. Nichts zu hören und zu erkennen, dass man sich mit nonverbaler Kommunikation gut ausdrücken kann, ist eine tolle Erfahrung.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit Ängste im Umgang mit gehörlosen Menschen abzubauen und mutiger, toleranter und offener zu werden. Vorurteile werden abgebaut, statt dessen werden Sie die Freude und Eleganz der Gebärden lieben lernen.

Was sagen unsere Besucher?

Mir ist deutlich geworden, welche vielseitigen Möglichkeiten unsere Hände parat haben, um unser Innerstes auszudrücken und über die Augen in Kontakt zu treten - vielen Dank, Lina!

Es war total interessant und hat einen sehr guten Eindruck vermittelt, wie es ist, wenn man nichts hören kann. Man konzentriert sich auf andere Dinge. Nur zu empfehlen.

Wir werden in Zukunft genauer 'hinschauen', danke für die tolle Führung!

Vielen Dank für die sehr interessante und Horizont erweiternde Führung!

Wie spannend was man alles mit Gestik und Mimik erreichen kann.

Lehrreich, Spannend und auf jeden Fall zu empfehlen!

Man erkennt die unendlichen Potentiale der "Anderen" - die so tolle Menschen sind. Eine neue Welt hat sich mir eröffnet.

Ein bewegendes und lehrreiches Erlebnis, eine wichtige Erfahrung, die hoffentlich aufmerksamer und toleranter stimmt.

Wir wollten eigentlich in den Dialog im Dunkeln, aber wir sind in der Stille gelandet. Es war fantastisch, anrührend, belebend, inspirierend, sensibilisierend und noch so vieles mehr! Vielen Dank dem lieben Sören.

Es war sehr bewegend einen Einblick in die Welt der Gebärden zu bekommen, (...) ein riesengroßes Dankeschön!

Die Ausstellung Dialog im Stillen hat mich sehr beeindruckt! Sie eignet sich hervorragend für Schulklassen, da hier viel Interaktion stattfindet.

2016 wurde der Dialog im Stillen vom ADAC mit dem Tourismuspreis ausgezeichnet!
Entdecken Sie weitere Angebot im Stillen!
Kennen Sie die Geschichte der Gehörlosenkultur - Deaf History?

384-322 v. Chr.: Aristoteles sagte: „Wer nicht hören kann, der kann auch nicht denken.“

So hieß es nach Aristoteles. Diese Auffassung ließ die Lebenssituation gehörloser Menschen nicht besonders vielversprechend aussehen.

Bis ins 18. Jahrhundert wurden sie als „dumm, nutzlos, seelenlos und nicht bildungsfähig“ abgeschrieben. Deshalb waren Gehörlose nicht wirklich Teil der Gesellschaft, sondern galten als Außenseiter, die niemand verstand.

Mit dem Zeitalter der Aufklärung kam das erste und stetig wachsende Interesse auf, den Zusammenhang von Sprache und Denken zu untersuchen. Somit haben sich Gelehrte auch zum ersten Mal intensiver mit dem Thema Gehörlosigkeit beschäftigt.

Plötzlich stand folgende Frage im öffentlichen Raum: Ist es etwa möglich, Gehörlosen, die als stumm galten, sprechen und schreiben beizubringen und sie so in die Gesellschaft zu integrieren?

1778: Deutschland zieht nach: Die erste Gehörlosenschule eröffnet in Leipzig

Samuel Heinicke eröffnete seine Schule nur kurze Zeit später.

Jedoch gab es einen bedeutenden Unterschied zu den Unterrichtsmethoden aus Frankreich: Samuel Heinicke lehnte die Gebärdensprache rigoros ab. Stattdessen war sein es Ziel, dass alle gehörlosen Menschen das Sprechen erlernen, um einen Zugang zur lautsprachlichen Gesellschaft zu erlangen.

Ein problematisches Unterfangen: Erstens war der Sprechunterricht unglaublich mühsam, und zweitens kostete er so viel Zeit, dass das Aneignen von Wissen ausblieb. Heinickes lautsprachlich orientierte Methode, auch die „orale Methode“ genannt, verbreitete sich dennoch rasant.

Die stark kontrastierenden Lehrkonzepte von de le’Epée und Heinicke fanden europaweit jeweils zahlreiche Anhänger/innen. Zwischen diesen beiden konkurrierenden Lagern kam es rasch zu einer Auseinandersetzung aufgrund des Methodenstreits, welcher einen schwerwiegenden Eindruck in der Gehörlosenpädagogik hinterließ.

1960: Die Sprachforschung ebnet den Weg für die Gleichberechtigung Gehörloser

Der amerikanische Linguist William Stokoe war der erste, der Gebärdensprachen in sprachwissenschaftlicher Hinsicht analysiert hat.

In seinen Untersuchungen hat er bewiesen, dass Gebärdensprachen den Lautsprachen ebenbürtig sind, weil sie ebenfalls über grammatikalische Strukturen verfügen und sprachliche Regeln verfolgen. Mit seinen Untersuchungen zu der Amerikanischen Gebärdensprache gilt Stokoe als Begründer der Gebärdensprachforschung.

Mit dem Bekennen der Amerikanischen Gebärdensprache als eine Kommunikationsform ebenbürtig des Englischen wuchs das Selbstbewusstsein der gehörlosen Menschen in den Vereinigten Staaten. Die Amerikanische Gehörlosengemeinschaft war der Vorreiter für viele weitere Gehörlosenbewegungen weltweit, sodass sich die Auseinandersetzung mit Gebärdensprache in Wissenschaft und Politik sowie der Stolz auf die eigene Sprache in den Gehörlosengemeinschaften auf der ganzen Welt verbreiten.

1988: “Deaf President Now!“

Mit wachsendem Selbstbewusstsein der Gehörlosengemeinschaft als eine Sprach- und Kulturgemeinschaft,

entwickelte sich in den Vereinigten Staaten von Amerika ein immer größer werdender Ruf nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit fernab von Unterdrückung. An der Gallaudet University in Washington D.C., einer Universität für gehörlose Menschen, an der ausschließlich in Gebärdensprache unterrichtet wird, protestierten gehörlose Studierende mit dem Schlachtruf „Deaf President Now!“ für das Recht, gehörlose Universitätspräsident*innen einzuberufen.

Der Schlachtruf ging um die ganze Welt und wurde schnell zum Symbol für Selbstbestimmung Gehörloser und gab Gebärdensprachbewegungen weltweit noch mehr Auftrieb. Denn obwohl der Protest lautlos — weil gebärdet — war, fand er Gehör: Irving King Jordan wurde erster gehörloser Präsident der Gallaudet University.

2019: Gehörlosengemeinschaft in Deutschland heute

Die Geschichte der Gehörlosengemeinschaft hat vieles gelehrt, vor allem, dass man für seine Rechte kämpfen muss.

Nur gemeinsam könne Veränderungen und Gleichberechtigung geschafften werden. Das wiederhergestellte Selbstbewusstsein lässt Gehörlose heute die Chance ergreifen, endlich in der Politik ihre Ziele umzusetzen oder in den Bereichen wie Kultur und Bildung mitzuwirken.

Durch die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache soll in den Bildungsstätten ein zweisprachiger Ansatz mit Deutsch und Deutscher Gebärdensprache umgesetzt werden. Auch die technischen Innovationen aus dem 21. Jahrhundert und die Inklusion tragen einen großen Teil dazu bei, dass es der Gebärdensprache und der Gehörlosengemeinschaft besser geht.

Jetzt gibt es neue Kommunikationsmöglichkeiten und Hilfsmittel, man kann sich stolz der Öffentlichkeit zeigen und in der Gesellschaft mitwirken. Auch bei den hörenden Mitmenschen steigt das Interesse an der DGS und überall werden Gebärdensprachkurse angeboten.

1771: Der Abt de le’Epée eröffnet in Paris die erste staatliche Schule für Gehörlose

Ein revolutionärer Schritt, der gehörlosen Menschen erstmals den Zugang zum kostbarsten Gut ermöglichte: Bildung!

Der Schulbesuch sollte gehörlosen Kindern das Lesen und Schreiben lernen ermöglichen, welche wiederum die Schlüssel zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bedeuten sollten.

Abt de le‘Epée nutzte in seinem Unterricht sogenannte methodische Zeichen, die er eigens für den Unterricht entwickelte. Diese Zeichen entsprachen zwar nicht unbedingt den echten französischen Gebärden entsprachen, aber er sendete mit seinem Vorgehen ein immens wichtiges Signal:

Der Unterricht für gehörlose Kinder muss visuell sein! De l’Epées „manuelle Methode“ erzielte große Erfolge.

1880: Ein schwerer Schlag für die Gehörlosenbildung: Der Mailänder Kongress

Gehörlosenpädagog*innen aus der ganzen Welt versammelten sich 1880 in Mailand, um über die Bildungssituation gehörloser Menschen zu beraten.

Die ausschließlich hörenden Teilnehmer*innen des Kongresses waren sich einig, dass Gebärden und manuelle Zeichen dem Sprechen minderwertig sind. Die Nutzung von Gebärdensprachen wurde als eine Verleumdung der Lautsprache angesehen und bedeutete eine Gefahr für das Erlernen der Lautsprache.

Schnell bildete sich ein Konsens von „Wer nicht sprechen kann, der kann auch nicht denken“, um die lautsprachlichen Methoden und die sprachliche Anpassung gehörloser Menschen an die Gesellschaft voranzutreiben.

Dies bedeutete für die gehörlosen Menschen den Beginn von jahrhundertelanger Unterdrückung und Verwehrung ihrer Menschenrechte.

1983: Beginn der Gebärdensprachforschung in Deutschland

Erst 20 Jahre nach Stokoes Analysen der Amerikanischen Gebärdensprache begannen die ersten Bestrebungen der Gebärdensprachforschung in Deutschland.

Professor Siegmund Prillwitz war von Bildungsinstitutionen gehörloser Menschen aufgetragen worden, herauszufinden warum der Deutschunterricht gehörlosen Kinder Schwierigkeiten bereitete. Er erkannte schnell, dass das Problem darin bestand, dass im Unterricht das Gebärden verboten war und die Kinder keinen Zugang zur Lautsprache erhielten.

Mit einem Team aus gehörlosen und hörenden Mitarbeiter*innen begann er die Deutsche Gebärdensprache – oder kurz DGS – zu untersuchen und zu dokumentieren.

Kurz darauf gründete er 1987 in Hamburg das Zentrum für Deutsche Gebärdensprache, welches heute als Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser an der Universität Hamburg verankert ist.

2002: Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache

Trotz der Untersuchungen der Deutschen Gebärdensprache und der Gründung des Zentrums für Deutsche Gebärdensprache in Hamburg

waren die Gebärdensprachbewegungen in der Gesellschaft und der Politik Deutschlands lange Zeit noch ungeachtet.

Der Deutsche Gehörlosenbund musste unaufhörlich die Rechte der gehörlosen Mitbürger*innen einfordern und auf die Wahrhaftigkeit der Deutschen Gebärdensprache bestehen.

Erst 2002 wurde die Deutsche Gebärdensprache im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) als eine eigenständige Sprache anerkannt.

Seit dieser Anerkennung haben gehörlose Menschen in Deutschland ein Recht darauf, die Deutsche Gebärdensprache als Kommunikationsform zu nutzen.

2010: Späte Einsicht - der Kongress von Vancouver

Erst auf der 21. Internationalen Konferenz zur Bildung gehörloser Menschen 2010 in Vancouver …

… wurde von den Organisator*innen eine erste offizielle Entschuldigung für die jahrhundertelange Verbote der Gebärdensprachen, der Fokus auf gezwungenes Sprechen lernen und die einhergehende Unterdrückung gehörloser Menschen ausgesprochen.

Außerdem wurde ein neuer Beschluss bezüglich der Vorgehensweisen im Unterricht von gehörlosen Kindern unterzeichnet, der auf Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention beruht.

Die UN Behindertenrechtskonvention zur Sicherung der Rechte und Bedarfe behinderter Menschen aus dem Jahr 2006 betitelt weitere noch umzusetzende Schritte zur Sicherung der Rechte der Gehörlosen: der Unterricht in Gebärdensprache, die Anerkennung von Gebärdensprachen als vollwertige Sprachen, die Sicherung kultureller Identität von Gehörlosen, ein Ende der Ausgrenzung.

Sie beschreibt das Leitbild der folgenden Jahre: Inklusion.

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