Serdal Celebi-Blinder FUssballer
Mit Freundlicher Genehmigung Von Miguel Ferraz

„Fußball ist für mich die größte Freiheit“ sagt Serdal Celebi und grüßt seine ehemaligen Kollegen vom Dialog im Dunkeln

Das Tor des Monats August 2018: Der Torschütze ist Serdal Celebi.

Damit ist der ehemalige Nationalspieler auf der Liste der Torschützen des Monats mit Lukas Podolski, Jürgen Klinsmann, Mario Basler, Klaus Fischer, Karl-Heinz Rummenigge, um nur einige zu nennen. Und doch unterscheidet er sich wesentlich. Der 34-Jährige ist blind und sein bemerkenswertes Tor schoss er für die Blindenfußballmannschaft des FC St. Pauli. Serdal hatte sich mit dem rasselnden Ball nach vorn gedribbelt und setzte ihn mit links unhaltbar in den oberen linken Winkel.

Er ist der erste blinde Fußballer, der für das Tor des Monats nominiert wurde.

Über seine Wahl freut er sich sehr: „Das ist toll, auch für den Blindenfußball. Eine bessere Werbung kriegt er ja momentan nicht“. Serdal wurde mit 12 Jahren blind und zunächst ist er da in ein tiefes Loch gestürzt. Doch irgendwann entschied er,  hinauszugehen, es anzupacken. Er machte Schulabschlüsse nach, schloss die Ausbildung zum Physiotherapeuten mit 2,3 ab und wurde in seiner Sportart Nationalspieler.

Schon das ist eine Erfolgsstory.

Wer aber nun an große Gelder denkt, dem muss gesagt werden, dass der Blindenfußball nicht sehr viele Sponsoren hat. Die Spieler müssen ihre Urlaubstage für den Sport verwenden und sie verdienen ihren Unterhalt selbst. Als Nationalspieler nahm Serdal an der Weltmeisterschaft 2014 in Japan teil und auch an der Europameisterschaft 2015 in England.

Danach entschloss er sich, aus der Nationalmannschaft auszuscheiden.

Das war eine notwendige Entscheidung. Er konnte es sich einfach nicht leisten. Beides, Arbeit und Nationalmannschaft, war nicht zu schaffen und er wollte seinen Urlaub zukünftig mit seiner Frau verbringen. Die beiden haben einen Sohn, der in diesen Tagen seinen einjährigen Geburtstag feiert. Der blinde Fußballspieler braucht gutes Gehör, Orientierungssinn und Körperbeherrschung. Aber auch ein Fußballspiel seiner sehenden Kollegen genießt er. „St. Pauli hat extra Plätze für uns,“ sagt Serdal,  „und Reporter, die das Spiel für sehbehinderte und blinde Menschen live kommentieren“.

2009 und 2010 war Serdal Celebi Guide im Dialog im Dunkeln.

Kollegen und Kolleginnen erinnern sich an seine kreativen Führungen durch die Ausstellung und an seine gute Stimmung. Er ist die personifizierte positive Stimmung. Kein Wunder, dass ihn neben der Sportschau auch SternTV und Günther Jauch einladen. Kürzlich war er die gute Fee bei der Auslosung der Achtelfinalspiele im DFB-Pokal.

Serdal wünscht sich, dass die Aufmerksamkeit für den Blindenfußball länger anhält und dass sich etwas mehr finanzielle und organisatorische Unterstützung findet.

Wir drücken ihm und dem Blindensport die Daumen und wünschen Serdal, dass sein Tor zum Tor des Jahres gewählt wird.

 

Foto mit freundlicher Genehmigung von Miguel Ferraz (copyright): Serdal Celebi im Gespräch mit Dialoghaus Hamburg

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