Rasim Camoglu 1 Dialog Im Dunkeln Guide Komp

Darf ich vorstellen: Rasim

Ich warte auf Rasim. Er ist einer der Kollegen aus dem Dialog im Dunkeln. Er führt durch die Ausstellung, macht auch workshops und ist bereit, mir Rede und Antwort zu stehen.

Ich habe mich ein bißchen vorbereitet. Bei meiner Recherche bin ich auf der website des Dialoghauses auf ihn gestoßen. Da stellt er sich mit diesem Text vor:

„Rasim Camoglu nennt man mich. Albinismus, das habe ich. Sehen tu‘ ich daher schlecht. ist mir jedoch ziemlich recht Mitunter hat jeder etwas, das ihm schwer fällt. Clever ist der, den das nicht aufhält. Auch studieren tue ich – Jura um genau zu sein. Mir fallen aber auch andere Hobbys ein! Oberstes Hobby ist traditionelles Taekwon-Do. Gleich danach: Kreatives arbeiten, also schreiben und so. Lächeln tue ich besonders gern. Und zwar, weil ich glaube: Wo kein Lächeln ist, ist das Glück sehr fern.“ Und genau so positiv wirkt er auf mich.

Er kommt pünktlich und gut vorbereitet.

Ich habe gleich das Gefühl, dass er immer präsent ist. Er kommt rüber als sehr selbstbewusst, kraftvoll und offen. Seit sechs Jahren arbeitet er bereits im Dialoghaus, als Guide, als Einweiser und im workshop. Man kann nicht sagen, dass er nebenbei studiert. Rasim schein nichts „nebenbei“ zu machen. Sein Jurastudium hat er im Wesentlichen abgeschlossen mit dem Magister. Jetzt kommt das Referendariat. Sein Studium hat er außerdem durch Nachhilfeunterricht finanziert; er hat Schülern vor allem mit Mathe und Englisch geholfen. Wenn er von seiner Zeit an der Uni erzählt, hat er ein besonderes Talent, das alles so leicht zu schildern.

Dabei musste er die ersten zwei Semester ohne Lesegerät klarkommen.

Dann erst wurde die Tafelkamera  für die Universität vom Integrationsamt bezahlt. Notizen macht er sich mit dem PC, lieber noch mit der Hand. Er musste für die Klausuren einen Antrag für verlängerte Zeit stellen. Zu Beginn war das ein ziemlicher bürokratischer Aufwand und die Zuständigkeit war nicht geregelt. Es hieß, die Zeit bei Hörbehinderten sei einschätzbar, bei Blinden hingegen nicht; die könnten keine Klausur mitschreiben. Aber irgendwann spielte sich das ein. Rasim kann die bürokratische Hürde heute beim Pförtner nehmen. Ich kann mir gut vorstellen, mit wie viel Charme und Durchsetzungskraft er diese und andere Barrieren beseitigt hat.

Er möchte sein Referendariat in Hamburg absolvieren und hofft, anschließend in einer größeren Kanzlei zu arbeiten.

Der 32jährige wurde sowohl türkisch als auch deutsch erzogen. Er reist gern, liebt kreatives Schreiben und das kontaktlose, traditionelle Taekwon-do. Natürlich ist der Schwarzgurt immer ein Ziel, aber es ist nicht das Hauptziel. Wichtiger ist, beweglich zu sein, sportlicher. Dabei steht der Gesundheitsaspekt im Vordergrund. Und dann würde er auch gern an einem Kurzgeschichten-Wettbewerb teilnehmen. Auch möchte er eine Familie gründen; zwei Kinder wären schön. Er lacht und sagt, wenn man es bestellen könnte, ein Mädchen und ein Junge.

Bei all seinen Erfolgen ist Rasim bescheiden geblieben. Als ich scherzhaft erwähne, dass ich künftig die Ausstellung im Dunkeln nicht ohne meinen rechtlichen Beistand besuchen möchte, korrigierte er mich. „Ich bin noch kein Volljurist.“

 

 

 

 

 

 

 

 

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